Natur- und Waldpädagogik

Für die Reggiopädagogik beschreibt Malaguzzi den Raum als 3. Erzieher. Der Raum wird unter dem Beziehungsaspekt verstanden. Analog hierzu können wir feststellen: Der Wald, die Wiese, der nahe Steinbruch, die Quelle, die Obstwiesen und die landwirtschaftlichen Flächen am Riesrand sind unser „3. Erzieher“. Ein Raum ohne Wände und Decke, scheinbar grenzenlos.

Die Kinder entdecken diesen Raum für sich ganz individuell in mehr oder weniger konzentrischen Kreisen rund um unsere Bauwägen. Ausgangspunkt für diese intensive Auseinandersetzung ist für neue Kinder meistens der Sand“kasten“, ein Ort, der den Kindern vertraut ist und der zum Spielen, Bauen und Matschen anregt. Beim Vater-Mutter-Kind-Spiel fehlt vielleicht ein Löffel um die Suppe umzurühren, also machen sich die Eltern auf in den Wald. Sie werden nicht nur einen Stecken als Kochlöffel mitbringen. Zu den Funden gehören vier Gehäuseschnecken („Vater, Mutter und zwei Kinder“), einige Kastanien vom Vorjahr („zum Essen“), Blätter („Salat für die Kaninchen“) und eine Handvoll Rindenstückchen („Das kann doch auch was sein!“) und schon nimmt das Spiel eine neue Wendung, denn jetzt werden die Becherlupen gebraucht, um die Schnecken genauestens beobachten zu können, außerdem brauchen sie zum Wohnen ein Labyrinth und sie fühlen sich so schön klebrig an.

Das Erkunden der Natur geschieht ganz praktisch, Werkzeug sind neben den schon erwähnten Becherlupen alle Sinne des Kindes. Der Wind zaust an den Haaren, die Sonne blendet die Augen, die Füße ertasten auf dem unregelmäßigen Untergrund den Waldboden, der tiefer unten im Wald leicht modrig riecht, die Finger untersuchen mal vorsichtiger, mal reißend oder kratzend das Holz unter der morschen Baumrinde. Noch ein Sprung und schon ist die Überquerung des gefährlichen Krokodilssumpfes geschafft. In der Kastanie über uns bearbeitet ein Buntspecht mit kräftigen Schnabelhieben seinen Trommelstamm – das ist fast wie ein Applaus.